Mehr Selbstbewusstsein durch eine Schönheits-OP?

Wer glaubt, die Beweggründe für eine Schönheits-OP sind meist oberflächlicher Art, der irrt. In der Regel geht es den Patienten und Patientinnen nicht nur um die Optimierung des eigenen Körpers und die Anpassung an gesellschaftliche Normen – sondern um viel mehr: Um das eigene Selbstwertgefühl. Das zeigt sogar eine Studie …

Selbstbewusstsein durch SchoenheitsOP

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Mehr als 200.000 Menschen unterziehen sich jedes Jahr einer Schönheits-OP. Der beliebteste Eingriff ist dabei immer noch die Brustvergrößerung. Dabei geht es der Mehrzahl aller Patienten und Patientinnen, wie eine Studie Deutscher und Schweizer Wissenschaftler aus dem Jahre 2013 zeigt, vor allem um ein gesteigertes Selbstbewusstsein – und damit um mehr Lebensqualität.

Das kann auch Experte Dr. Günther Riedel bestätigen. Er ist Chefarzt für der Abteilung für Plastische, Rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie des SCIVIAS St. Josef Krankenhauses in Rüdesheim am Rhein und schreibt in einem lesenswerten Beitrag über den Zusammenhang von Lebensfreude und Plastischer und Ästhetischer Medizin: „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass eine Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes auch immer eine psychische Komponente hat, die positive Auswirkungen auf das Lebensgefühl mit sich bringt. Schließlich ist der Mensch ein ganzheitliches Wesen, das eine untrennbare Einheit aus Körper und Seele bildet.“

Studien zeigen: Selbstbewusstsein und Wohlbefinden durch Schönheits-OP

Dabei verweist Riedel auf eine Studie aus Bochum und Basel. Dafür befragten Prof. Dr. Jürgen Margraf und sein Team 550 Patienten, die sich erstmals einer Schönheitsoperation unterzogen hatten. Im Anschluss verglich die Antworten mit 264 Personen, die sich früher eine Schönheitsoperation gewünscht, dann aber dagegen entschieden hatten, sowie mit rund 1000 Menschen, die sich nie für eine solche Operation interessiert hatten. Das Ergebnis: Im Vergleich zu denjenigen, die sich gegen eine Schönheitsoperation entschieden hatten, fühlten sich die Patienten gesünder, waren weniger ängstlich, entwickelten mehr Selbstwert. Sie fanden besonders das operierte Körpermerkmal, aber auch den Körper allgemein, attraktiver. Mehr noch: Einige der Befragten konnten ihre Depressionen so bessern. Negative Effekte stellten die Forscher,  in der im „Clinical Psychological Science“ veröffentlichten Studie, nicht fest.

Die Zahlen, Studien und Argumente sprechen für sich: Nicht der Drang nach Aufmerksamkeit, nicht der Wunsch, einem fragwürdigen Ideal zu entsprechen, bringt die meisten Menschen dazu, sich „unters Messer zu legen“. Viel eher generieren ein Großteil der Befragten den Entschluss zu einem chirurgisch-ästhetischen Eingriff aus sich selbst heraus. Und das sollte doch eigentlich genauso legitim sein, wie eine Diät oder eine Detox-Kur zu machen oder sich tätowieren zu lassen. Frei nach dem Motto: Erlaubt ist, was gefällt.

Selbstbewusstsein durch SchönheitsOP

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Warum Schönheits-OP’s noch heute einen schlechten Ruf haben

Doch warum sind Schönheits-OPs noch heute verpönt? Warum gilt es als Tabu, wenn man sich die Zornesfalte mit Botox hat unterspritzen lassen? Warum sprechen auch VIP’s, die offenbar sich einem Fadenlifting, einer Nasenkorrektur, einer Lippenaufspritzung unterzogen haben, nicht darüber – oder versuchen den Eingriff zu vertuschen oder zu leugnen? Die Antwort ist vielseitig. Einerseits liegt der schlechte Ruf daran, dass nur die missglütckten Eingriffe bekannt werden. Einschlägig reisserische Zeitungen berichten dann über die Folgen der x-ten OP, die irgendein C-Promi in seinem Schönheitswahn von einem zwielichtigen Arzt hat vornehmen lassen. Die zahlreichen Eingriffe, die von einem Experten durchgeführt wurden, zu einem wünschenswerten Ergebnis und somit auch zu einem positiven psychischen Effekt führten, werden in den Medien nicht erwähnt.

Das unrealistische Schönheitsideal

Zudem herrscht bei vielen die Meinung vor, Schönheits-OP’s machen – ähnlich den Tätowierungen – süchtig. Und wahrlich: Wenn Frauen es übertreiben mit Schönheitsoperationen, hat das mit Ästhetik oft nur noch wenig zu tun. Hollywood ist reich an Beispielen von Schauspielerinnen, die mit ihrem natürlichen Ich von früher nur noch den Namen und eine entfernte Ähnlichkeit gemein haben – und sie sind damit nicht allein. Die unrealistischen Vorstellungen fußen wiederum auf den utopischen Schönheitsidealen, die in den Medien präsentiert werden. Hier liegt das Paradoxon: Einerseits werden chirurgische Eingriffe in Zeitungen und Magazinen verpönt, andererseits wird ein Körperideal entworfen, das den meisten durchschnittlichen Menschen – selbst jenen sportlichen und gesund lebenden – nicht einmal ansatzweise entspricht.

Dennoch handelt es sich bei all jenen, die eine Sucht nach Eingriffen entwickeln und unrealistische Vorstellungen entwickeln, um eine Minderheit, wie die Studien zeigten. Hier sind vor allem Chirurgen gefragt und aufgefordert, die Reißleine zu ziehen.

Vertrauen in den behandelnden Arzt schöpfen

Daher empfiehlt sich bei dem Entschluss für eine Schönheits-OP vor allem eines: Einen Experten auf seinem Gebiet zu suchen, der entsprechende Referenzen vorzuweisen hat. Nur, wer ein Vertrauensverhältnis zu seinem Chirurgen aufbaut, kann sich später auf dem OP-Tisch auch vertrauensvoll in dessen Hände geben. Das bedeutet auch, dass cih der Arzt Zeit nehmen muss, mit dem Patienten die Operation durchzusprechen. Das weiß auch Dr. Günther Riedel: „Ob ein Patient nach dem Eingriff mit dem Ergebnis zufrieden ist, hängt auch von realistisch gesteckten Zielen ab, die der Chirurg gemeinsam mit dem Patienten festlegt. Es liegt in der Verantwortung des Arztes, weder überzogene Erwartungen zu wecken, die durch den Eingriff nicht zu erfüllen sind, noch medizinisch zweifelhafte Eingriffe vorzunehmen.“

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